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Mobile Wägetechnik bringt Transparenz in den Kläranlagenbetrieb Geld „stinkt“ doch. Oder: Kläranlagen-Benchmarking mit mobiler Wägetechnik senkt die Abwassergebühren
Dass die mobile Wägetechnik beim Kläranlagenbetrieb Vorteile bringt, hat der Aggerverband in den vergangenen Monaten festgestellt. Zuvor hatte der Verband den Containertransport von Kläranlagenabfällen (Rechengut, Sandfang, entwässerter Klärschlamm) an Dienstleister vergeben. Als Analysen und eine Ausschreibung ergaben, dass ein 5-stelliger Eurobetrag pro Jahr eingespart werden kann, wenn man diese Aufgabe in Eigenleistung durchführt, wurden zwei Lkw-Gespanne für den Absetzcontainer-Transport angeschafft. Die Lkw sind mit mobilen Pfreundt-Waagen ausgestattet. So sind die transportierten Mengen stets transparent, und man erhält eine wichtige Kenngröße für das „Benchmarking“ der einzelnen Kläranlagen.
Der Aggerverband mit Hauptsitz in Gummersbach ist verantwortlich für die gesamte Wasserwirtschaft der beteiligten Gemeinden im Bergischen Land und den Randbezirken. Er betreibt drei Talsperren – die Wiehltalsperre mit ihrer kleinen Insel ist durch die Werbung einer großen Brauerei bundesweit bekannt geworden – und zwei Wasserwerke, die rund 500.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgen. Im Rahmen der Gewässerunterhaltung werden etwa 4.000 km Gewässerstrecke betreut. Auch die Bewirtschaftung des Abwassernetzes, zu dem u.a. 150 Regenüberlaufbecken und 31 Transportsammler gehören, ist Aufgabe des Verbandes.
Eigenleistung spart 70.000 Euro Die Abwässer werden in 38 Kläranlagen aufbereitet. Die Entsorgung der Kläranlagenabfälle gehört zu den Aufgaben des Fachbereichs „Kanalnetz und Reststoffe (KuR)“, der dazu seit November 2002 zwei Lkw-Züge in den Fuhrpark aufgenommen hat. Warum der Aggerverband die Transporte in Eigenregie übernimmt, hat finanzielle Gründe. Dipl.-Ing. Christoph Beyer, Fachbereichsleiter KuR: „Wir haben die internen Kosten ermittelt und parallel eine Ausschreibung durchgeführt. Das Ergebnis: Wenn wir die Transporte selbst durchführen, sparen wir pro Jahr bis zu 70.000 Euro.“
Mehr als 16.000 t Transportgut im Jahr Diese Zahl deutet schon darauf hin, dass es sich um erhebliche Mengen handelt. Heribert Berster, verantwortlich für die Kanalunterhaltung und den Fuhrpark: „Pro Jahr haben wir rund 13.000 t gepressten Filterkuchen, über 2.000 t Rechengut und ca. 1.000 t Sandfanggut zu transportieren.“ Der Filterkuchen weist eine hohe Verwertungsquote auf: Etwa 95% werden in der Landwirtschaft als Düngemittel oder für die Rekultivierung eingesetzt, nur ca. 5% müssen der thermischen Entsorgung zugeführt werden.
Lkw mit optimaler Ausstattung: Absetzkipper ohne Ketten Die Verantwortlichen des Aggerverbandes haben sich sehr viel Gedanken gemacht, wie die Lkw für den Klärschlamm-Transport ausgestattet sein sollen, um ein Optimum an Wirtschaftlichkeit und Arbeitssicherheit zu erreichen. Dabei galt es zu berücksichtigen, dass die Container vor Ort oft umgesetzt oder von kleinere in größere Behälter umgeladen werden müssen. Aus diesem Grund sind die Lkw mit einer Funk-Fernbedienung und einer automatischen Behälterkupplung für das kettenlose An- und Abkuppeln der Container ausgestattet. So arbeitet der Fahrer in sicherem Abstand und spart Zeit beim Container-Handling.
Mobile Waage mit Funkübertragung Als weitere Zusatzausstattung verfügen die Lkw über eine geeichte Pfreundt-Absetzkipperwaage. Die robusten Messelemente an den Teleskoparmen arbeiten völlig autark ohne Kabelverbindung. Die Gewichtsangaben übertragen sie mit einem patentierten Funksystem an die Auswerte- und Bedienelektronik im Fahrerhaus.
Daten für das interne Benchmarking Jeder Container mit Klärschlamm, Sandfang oder Rechengut, den der Fahrer bei einem der 38 Klärwerke abholt, wird jetzt direkt an Ort und Stelle gewogen. Über die Tastatur der Wägeelektronik werden Abholort, Material und Bestimmungsort ausgewählt und auf einem Ausdruck mit den Wägedaten dokumentiert. Die Daten werden sorgfältig ausgewertet, denn sie geben Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit der Klärwerke. Christoph Beyer: „Bevor wir die Lkw mit Mobilwaagen einsetzten, hatten wir nur überschlägige Werte für die Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Verfügung. Nun haben wir sehr exakte Ausgangsdaten für das interne Benchmarking, mit dem wir das Kosteneinsparpotential unserer Anlagen noch besser ermitteln können. Ich kann jedem Klärwerksbetreiber nur empfehlen, die Kläranlagenabfälle an jeder Anfallstelle zu verwiegen. Das gilt auch für Betriebe und Verbände, die beim Transport mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten: Die Vor-Ort-Verwiegung beugt nicht nur Missbrauch vor, sondern schafft auch eine sehr viel exaktere Datenbasis.“ Damit steht dem Aggerverband ein wirksames Instrument zur Verfügung, um die Abwasserkosten auch in Zukunft günstig zu halten.  Bild 1: Das „Aufgabengebiet“ des Aggerverbandes im Bergischen Land: Drei Talsperren, zwei Wasserwerke, etwa 4.000 km Gewässerstrecke und die Bewirtschaftung des Abwassernetzes Bild 2: Die Pfreundt Waage „an Bord“ hilft sparen. Was früher nur grob geschätzt werden konnte, wird heute exakt verwogen. Vergleichswiegungen mit einer Brückenwaage ergaben eine Abweichung von nur 0,4%. Bild 3: Eines der beiden LKW-Gespanne, durch deren Einsatz bis zu 70.000 Euro pro Jahr gespart werden. Bild 4: Die Wägeelektronik im Führerhaus verarbeitet und druckt außer den Gewichtswerten weitere Daten wie Material, Abhol- und Bestimmungsort. Die spätere Erweiterung für die automatische Übertragung der Daten zum PC ist möglich. Bild 5: Das robuste, kompakte Messelement der Pfreundt Absetzkipperwaage arbeitet autark ohne jede Kabelverbindung, denn es überträgt die Gewichtswerte geeicht per Funk zur Elektronik in der Kabine. Für die Stromversorgung sorgt ein hochwertiges Akku, für den minimalen Stromverbrauch ein patentiertes Funkverfahren. |